12 Monate – 12 Herausforderungen: Lavendeldruck

Diesen Monat machen wir was Schönes, das auch gut riecht!

Wusstet ihr, dass man mit Lavendel drucken kann? Vor einigen Jahren habe ich das zum ersten Mal gehört und hab es auch gleich ausprobiert. Viele meiner bedruckten Shirts der letzten Jahre sind mit diesem Verfahren gemacht worden und ich bin nach wie vor davon begeistert.
Warum sollte man den Lavendeldruck ausprobieren, wo man doch ganz easy mit Transferfolie arbeiten kann? Der Lavendeldruck hat einen unschlagbaren Vorteil, denn der Druck dringt in die Textilfaser ein und erhält so bei Baumwolljersey die Elastizität. Wer sich schon einmal (wie ich :chgrin: ) über gerissene oder abblätternde Transferfolie beim Anziehen einer Puppe geärgert hat, der wird Lavendeldruck schätzen.

Wie funktioniert es? Zunächst eine kurze Zusammenfassung, dann folgt eine längere, bebilderte Anleitung!

Mit Lavendelöl (Apotheke) wird ein Ausdruck vom Laserdrucker auf den Stoff übertragen, durch festes Reiben dringt die Druckerfarbe in den Stoff ein. Mit bügeln fixiert man den Druck.

Ihr braucht:
Lavendelöl (kleines Fläschchen von 10ml reicht völlig, wird euch in der Apotheke abgefüllt, Preis je nachdem zwischen 7-10€)
Ein seitenverkehrt ausgedrucktes Motiv, mit Laserdrucker gedruckt (Tintenstrahldrucke funktionieren nicht – Obacht: nicht bei allen Laserdruckern lässt sich der Druck vom Papier lösen)
Einen Borstenpinsel
Zusätzlich etwas mit dem ihr das Motiv abreiben könnt, z.B. ein Löffel oder ein großes Balltool oder auch das andere Ende vom Borstenpinsel (meine Variante) – wichtig ist, dass das ölige Papier nicht vom Werkzeug zerstört wird
Eine feste Unterlage, z.B. ein Holzbrett. Wichtig: möglichst glatt, denn ansonsten drückt sich der Untergrund durch und wird im Motiv sichtbar
Washitape oder Ähnliches zum Fixieren des zugeschnittenen Motivs auf dem Textiluntergrund
Textiluntergrund – das kann ein Baumwollstoffstück sein oder etwas aus Baumwolljersey. Es ist möglich, etwas nach dem Nähen zu bedrucken, dann muß jedoch eine feste Unterlage in das Kleidungsstück o.Ä. geschoben werden. Ansonsten empfiehlt sich, vor dem Fertigstellen zu drucken. Bei einem T-Shirt nähe ich meist Ausschnitt, Ärmel, Seitennähte und Saum zuerst und drucke dann das Motiv, ehe ich die Rückennaht nähe. So lässt sich das Motiv leichter positionieren, als wenn man es vor dem Nähbeginn auf den Zuschnitt druckt.
Je heller der Stoff ist, desto besser wird natürlich auch das Druckergebnis. Auf hellgrau z.B. sieht man mehr als auf mittelgrau und auf dunkelgrau wird das Motiv schlecht zu sehen sein.

Wichtig ist außerdem noch: am besten für Frischluftzufuhr sorgen. Und nicht zu dicht an das Lavendelöl dran mit Augen, Mund und Nase, denn bei zu intensivem Einatmen reizt es. Abgesehen davon ist es unbedenklich und nach dem bügeln (auch hierbei bitte nicht dicht dran mit den Schleimhäuten) verfliegt der Geruch nach wenigen Tagen. Das Öl verdunstet durch bügeln und lüften, so dass man eigentlich nicht waschen muß.

Bisher habe ich nur Schwarzweißdrucke gemacht, es sollte aber mit farbigen Drucken ebenso funktionieren. Natürlich kann der Lavendeldruck nicht die Farb- und Strahlkraft eines Siebdrucks erreichen und Motive mit Transferfolie sehen ebenso anders aus. Wer jedoch einen Druck auf leicht elastischem Stoff haben möchte und dazu einen leichten Vintagelook liebt, der wird mit dieser Technik zufriedenstellende Ergebnisse erzielen können.


Nun führe ich euch durch den Lavendeldruck bei drei verschiedenen Untergründen.

Gewählt habe ich ein fertig genähtes Shirt in hellem Braun, damit ihr sehen könnt, wie bei einem nicht-weißen Stoff in etwa der Kontrast ausschaut, zudem seht ihr hier auch die Version mit dem eingeschobenen festen Untergrund (in meinem Fall ein Stück einer Leiste aus dem Baumarkt).
Die anderen beiden Stoffe sind weiß, einmal Baumwolljersey, einmal Nesselstoff. Beides wird nach dem Druck fertig genäht.

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Ihr seht mein Holzbrett, die Lavendelölflasche, den Borstenpinsel, Washitape, sowie meinen gewählten Motivausdruck und natürlich das zu bedruckende Shirt mit eingeschobener Holzleiste

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Mit dem Washitape fixiere ich den Ausdruck und nehme mit dem Borstenpinsel Öl auf. Dabei lasse ich die Borsten sich einfach vollsaugen. Das Motiv wird nun sichtbar. Hier sind noch Korrekturen der Position möglich!

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Ist die Lage des Motivs zufriedenstellend, wird es vollständig mit dem Öl eingestrichen. Bitte keine Ölpfützen aufs Papier geben, es reicht, wenn es gleichmäßig durchölt ist. Man kann eine Minute warten, damit sich die Druckerfarbe richtig anlöst.
Nun reibe ich mit dem anderen Ende des PInsels das Motiv fest in den Stoff. Hierbei ist es wichtig, das Papier nicht zu zerstören und doch fest und gleichmäßig zu reiben. Außerdem sollte das Motiv nicht verrutschen.

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Der Blitz enthüllt: Minnie ist ordentlich eingeölt.

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Dieses Motiv liegt auf dem Nesselstoff, es soll ein Kissen werden.

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Spannendster Moment: das Enthüllen! Vorsichtig ziehe ich das Washitape mit dem Papier ab. Meist mache ich das sehr langsam, damit ich das Motiv notfalls noch einmal auf den Stoff legen kann, sollte eine Stelle nicht gut bedruckt worden sein. Wenn ich dabei verrutsche, wird mein Druck unscharf oder doppelt.

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Minnie sieht zufrieden aus, ich bin es auch.

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Das Kissen wird schön, der Druck erinnert an Holzschnitte. Die schwarzen Stellen sind nicht optimal übergegangen, aber mir gefällt der leichte Vintagelook.

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Wichtiger Schritt! Nun wird gebügelt. Ich bügele mit mittlerer Hitze die Drucke, mit einer Lage Backpapier dazwischen. Hier steigen noch einmal die Dämpfe auf, bitte lüften nicht vergessen!

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Henna präsentiert ihr neues Shirt und das passende Kissen.

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Minnie im Doppelpack! Meine Minnie ist großer Fan der Mausedame und nun sieht es jeder auf den ersten Blick.

Noch eine kurze Anmerkung zu den Motiven. Wenn ich was für den Shop mache, also etwas Bedrucktes verkaufen möchte, nehme ich ausschließlich selbst erstellte Vorlagen. Die hier gezeigten Vorlagen sind nur als Beispiele für die Möglichkeiten gedacht und bleiben natürlich in meinem Besitz. Bei Etsy sehe ich oft verwendete bekannte Logos und Motive und finde das immer etwas heikel, darum würdet ihr Minnie niemals im Shop finden.

Hoffentlich hat euch der Einblick Lust und Laune gemacht, auch mal zu „lavendeln“ – es ist wirklich einfach und macht sehr viel Spaß.

Liebe Grüße,
Nina

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